Kosten plus Marge — die rechnerisch einfachste Methode. Genau diese Einfachheit wird zur Schwäche, sobald Markt und Wettbewerb ins Spiel kommen.
Worum es geht
Cost-Plus Pricing setzt den Preis durch Aufschlag eines fixen Margenprozentsatzes auf die Selbstkosten. Es ist die historisch verbreitetste Methode in produzierenden Industrien — losgelöst vom Markt, getrieben allein aus der eigenen Kostenstruktur.
Wie es in der Praxis funktioniert
- Industriegüter: Hersteller addieren auf kalkulierte Selbstkosten einen branchentypischen Aufschlag von 15–30 %.
- Beratungsleistungen: Tagessätze entstehen aus Personalkosten plus Overhead plus Zielmarge.
- Gastronomie: Wareneinsatz multipliziert mit einem festen Faktor (3–4x) ergibt den Speisepreis.
Was Kunden gewinnen
- Transparente Logik: Der Preis lässt sich nachvollziehen.
- Stabilität: Schwankungen sind selten, was Beschaffung erleichtert.
- Wahrgenommene Fairness: Eine Marge auf Kosten wirkt berechenbar.
Was Anbieter gewinnen
- Schnelle Kalkulation auch bei großen Sortimenten.
- Margensicherheit pro Transaktion.
- Steuerung ohne externe Marktdaten.
Wo Vorsicht geboten ist
- Marktblindheit: Wer nur aus den Kosten rechnet, verschenkt Zahlungsbereitschaft.
- Wettbewerbsschwäche: Konkurrenten mit niedrigeren Stückkosten setzen die Referenz.
- Preisstarre: Anpassungen an Nachfrage passieren erst über die Bilanz.
Wann passt die Methode?
Cost-Plus eignet sich als Bodensatz für Make-to-Order-Geschäft, regulierte Branchen oder Long-Tail-Sortimente, in denen Wettbewerbsdruck und Differenzierung gering sind. Sobald Differenzierung, Knappheit oder Wertwahrnehmung eine Rolle spielen, gehört die Methode ergänzt — typischerweise durch Value-based- oder Competition-based-Komponenten.
Andreas Stauber
Founder & Geschäftsführer Resilient Value GmbH
